Ich steige in mein Auto. Ich schnalle mich an. Ich stecke den Schlüssel ins Zündschloss, starte den Motor. Blick in den Spiegel, Schulterblick. Blinker setzen. Kupplung und Schaltung.

Und dann mache ich die Augen zu und steige mit voller Kraft aufs Gaspedal.
Ich wache im Krankenhaus auf und wundere mich, was passiert ist.

Kommunikation: Lauter Geisterfahrer auf der linken Spur

So ungefähr verläuft die Alltagskommunikation der meisten Menschen, egal ob beruflich oder privat. An sich können wir ja alle kommunizieren – oder besser: wir können es eben nicht lassen. Wer sich zur Umwelt verhält, übermittelt ihr Botschaften, d.h., er oder sie kommuniziert. Aber: In den seltensten Fällen gelingt es uns, unsere Kommunikation bewusst zu steuern, so dass wir bestimmen, wo es lang geht. Statt dessen preschen wir einfach los, sprechen aus, was uns durch den Kopf schwirrt, ignorieren relevante Faktoren wie Wortwahl und Tonalität, Körpersprache und Proxemik – und fahren das Gespräch an die Wand.

Über die zentralen Prozesse, die unsere Interaktion bestimmen, lernen wir viel zu wenig, um sie auch nur ansatzweise gezielt gestalten zu können. Niemand bringt uns bei, wie wir einen guten Kontakt zu unserem Gegenüber herstellen. Oder Wertschätzung vermitteln. Oder empathisch agieren. Niemand erklärt uns, wie Schlagfertigkeit geht und wozu Small Talk gut ist. Oder wie wir ein Gespräch steuern können. Wie wir Klarheit schaffen und Missverständnisse vermeiden, konstruktives Feedback geben und nehmen, wie wir uns Respekt verschaffen und ihn geben können, usw.

Weder werden uns die Funktionsweisen und Dynamiken von Kommunikation erklärt noch lernen wir, wie wir diese händeln können, um unsere Kommunikationsziele (Kommunikationsziele? Auch die bleiben meist im Dunklen.) zu erreichen.

Und deshalb bin ich auch kein Coach, sondern Trainerin.

Coaching ist Hilfe zur Selbsthilfe

Nichts gegen Coaching. Coaching ist entwicklungsfördernd, orientierend und oft hilfreich. Der Coach stellt seine oder ihre Expertise und Kompetenz zur Verfügung, um einen strukturierten Problemlösungsprozess zu gestalten. Coaching beruht auf der Prämisse: Eigentlich kann und weiß ein Coachee bereits alles, was er oder sie braucht, um die anstehenden Probleme zu lösen. Der Coach bringt dem Coachee nichts bei. Coaching ist im besten Sinne Begleitung, Denkstütze oder Entscheidungshilfe – Hilfe zur Selbsthilfe eben.

Training ist Wissens- und Kompetenzaufbau

Training dagegen dient dem gezielten Verstehen und Erlernen bestimmter Verhaltensweisen und Problemlösungsstrategien. Training setzt also da an, wo wir eben nicht schon über ausreichend Wissen und Kompetenzen verfügen, um Herausforderungen selbst meistern zu können. Deshalb ist  – neben Wissensimpulsen und Reflexionsmomenten – die angeleitete Übung ein zentraler Aspekt von Training. Das heißt, die Lernenden bekommen die Möglichkeit, sich selbst in neuem Verhalten zu erproben. Dazu erhalten sie Feedback und Hilfestellungen durch die Lerngruppe und die Trainingsleitung.

Je nach didaktischem Ansatz und persönlichem Stil des Trainers oder der Trainerin, dem Thema, der Zielsetzung des Trainings und der Kontexte und Persönlichkeiten der Lernenden gestalten sich Trainings sehr unterschiedlich. Training kann aus klassischem Frontalunterricht bestehen, den wir alle aus leidvoller Erfahrung aus der Schulzeit kennen – der Lerneffekt ist dann meist eher gering. Oder es kann, wenn die Trainingsleitung durch die Gestaltung des Lernprozesses dafür sorgt, ein echtes Erlebnis sein, das die Teilnehmenden in tiefen Kontakt mit sich selbst bringt und Veränderung anstößt.

Im Anschluss an jedes Training gilt es für die Lernenden, das Gelernte ins Alltagshandeln zu übersetzen, es sich dort selbstständig anzueignen und langfristig zu verfestigen. Optimalerweise wird dieser Transferprozess durch einen Trainer oder eine Trainerin weiter begleitet. Mit Blended Learning-Konzepten mit Präsenzeinheiten und online-gestützen Selbstlernanteilen oder regelmäßigen Meet Ups zum Erfahrungsaustausch lassen sich dabei erstaunliche Wirkungen erzielen.

Kommunikation braucht Training

Natürlich ist die Trennung, die ich hier zwischen den Tätigkeiten von Coaches und Trainern und Trainerinnen vornehme, ein Stück weit akademisch. Wenn ich mich konsequent an den Bedürfnissen der Lernenden orientiere, komme ich sowohl als Coach als auch als Trainer oder Trainerin in Situationen, in denen es sinnvoll ist, die Grenzen des Berufsfeldes zu überschreiten. So wie es Coachings mit Trainingsanteilen gibt, kann es auch im Training immer wieder Momente geben, in denen die Leitung in die Rolle eines Coachs schlüpft.

Aber: Genauso wenig, wie wir das Autofahren dadurch erlernen, dass wir uns am Tag unseres 18. Geburtstages ausführlich mit einem Fahrlehrer oder einer Fahrlehrerin unterhalten, erschließt sich uns das weite Feld der zwischenmenschlichen Kommunikation durch reines Coaching. Um Kommunikation sicher, zielgerichtet und wertschöpfend gestalten zu können, braucht es ein umfangreiches Verständnis für ihre Wirkmechanismen und ein stabiles „handwerkliches“ Können auf der Verhaltensebene.

Das gilt es, durch Training zu erarbeiten. Mithilfe von Trainern und Trainerinnen, die nicht nur über ein umfangreiches Fachwissen verfügen, sondern didaktische Experten und Expertinnen sind. Die deswegen Lernprozesse so wirkungsvoll und erlebnisreich gestalten können, dass die Lernenden authentisch, leicht und mit Freude zu sicheren Verkehrsteilnehmern und  -teilnehmerinnen auf der Informationsautobahn werden.

Dann crasht es in Zukunft weniger in der Kommunikation. Dann wird der Weg frei, damit Menschen gemeinsam Ziele erreichen können.
Deswegen bin ich KommunikationsTRAINERIN.

In den kommenden Wochen und Monaten veröffentliche ich hier im Blog von communication at work Texte, die Licht ins Dunkel von Team- und Führungskommunikation bringen sollen. Dazu wird es zunächst eine Reihe zu Funktionsweisen, Zusammenhängen, und grundlegenden Dynamiken von zwischenmenschlicher Kommunikation geben – inklusive knackiger Praxistipps für Eure Teams. Danach tauchen wir tiefer ein in die spezifischen kommunikativen Herausforderungen, die die Arbeit in wachsenden Start-ups mit sich bringt. Solltet Ihr konkrete Fragen oder Probleme haben, die ich hier für Euch beleuchten soll, dann schreibt mir gerne!